Gentrifizierung & Wohnen

Bauen & Wohnen // Kapitalinteressen oder Lebensqualität?

Wir setzen uns für das Recht auf Wohnen und die Entprivatisierung des Wohnsektors ein. Wir machen uns stark gegen Verdrängung, für Vergesellschaftung und ganz besonders für den Erhalt und Ausbau alternativer Wohn- und Eigentumsformen. Wir wollen mit euch die soziale und ökologisch sinnvolle Umgestaltung unserer Häuser, Dächer, Gärten und Kieze gestalten und Neubau am dringend notwendigen Klimaschutz und den Mieter★inneninteressen ausrichten.

Freiräume

In den 1970er und 1980ern wurden im Westteil unseres Doppelbezirks viele Häuser instandbesetzt, dadurch vor dem Abriss bewahrt und eine vielfältige, l(i)ebenswerte Kiezstruktur geschaffen. Viele dieser Häuser bestehen noch immer als Hausgemeinschaften und Projekträume, ob als Mieter★innengemeinschaften, als Genossenschaften, mit Vereins- oder anderen gemeinwohlorientierten Strukturen. Kreuzberg profitiert bis heute von den dadurch gewachsenen Strukturen und solidarischen Nachbar★innenschaften.

Der Senat hatte damals mit den Vertragsabschlüssen eindeutig den politischen Willen erklärt, die Besetzer★innen in den von ihnen geschaffenen alternativen, gemeinschaftlichen Wohnformen dauerhaft leben zu lassen. Im Gegenzug ließen diese sich auf Verträge und Mietzahlungen ein. Dass der Senat sich nun aus der Verantwortung stiehlt und so tut, als würde es sich bei den verbliebenen, aufgrund von ständiger Bedrohung ihres Lebens- und Wohnraums ums Überleben kämpfenden Projekten um pöse Kriminelle handeln, ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern unverschämt.

Daher wollen wir uns auf Bezirksebene für den Erhalt der im Kiez verankerten Projekte, ex- und teil-besetzten Häuser sowie auch allen anderen linksalternativen Freiräume stark machen und fordern den Senat auf, endlich Verantwortung zu übernehmen und anzuerkennen, dass der damals bekundete politische Wille verlässlich sein muss! Wir unterstützen Projekte wie die Rigaer94, die Köpi und die im letzten Jahr geräumte Liebig34. Sie müssen gegen Spekulation und Gentrifizierungswahn unterstützt werden, anstatt sie zu dämonisieren!

Deshalb: Schluss mit der Kriminalisierung von Bewohner★innen und ganzen Kiezen! Schluss mit Gefahrengebieten (KbOs) und ideologisierter Hetze gegen linke Hausprojekte! Solidarität statt Repression! Weg mit der Berliner Linie – jetzt!

Gentrifizierung

Doch nicht nur alternative Freiräume, Wohnprojekte und Wagenburgen sind bedroht, auch ganz „normale“ Mieter_innen.

Da der Mileuschutz nur ein löchriges Mittel zur Verhinderung der Vertreibung von einkommensschwächeren Kiezbewohner★innen ist, fordern wir die Rekommunalisierung und – wo möglich – Entkommerzialisierung von Wohnraum. Damit soll der Spekulation von Wohnraum als Ware ein Ende gesetzt werden. Wohnen ist ein Menschenrecht!

Der Kiez ist für alle da und lebt dabei auch von seinem vielfältigen, vielschichtigen Charme. Die Enwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte haben viele Viertel und Wohnräume unserer Stadt zu durchgentrifizierten Statussymbolen werden lassen. Wer es sich leisten kann, wohnt nun in hippen In-Vierteln. Die Verdrängung von alteingessesenen Kiezbewohner★innen und kapitalorientierter Wohnungsmarkt haben weite Teile des innerstädtischen Bereiches zu einer Stadt der Reichen werden lassen.

Wir fordern daher unter anderem, dass bereits sanierte Altbauwohnungen in Sozialwohnungen umgewandelt werden müssen. Wir wollen zudem, dass gemeinwohlorientierte alternative Eigentumsstrukturen, wie Genossenschaften und Mietshäusersyndikat besser unterstützt werden,indem ihnen günstig Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Auch die Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts mit Hilfe von Genossenschaften muss vereinfacht werden. Mieter★innen wollen wir bei ihrer Selbstorganisation und in ihren Kämpfen unterstützen. Außerdem setzen wir uns für den Volksentscheid DeutscheWohnen & Co enteignen! ein.

Denn: Wohnraum muss in erster Linie dem Gemeinwohl aller und nicht der Kapitalgewinnung einzelner dienen. Bei Bildung, Gesundheit und Verkehr gilt dieses Prinzip doch ebenfalls. Warum sollte es bei einer so elementaren Lebensgrundlage wie Wohnen nicht auch gelten?

Dazu gehört auch, dass ökologische und Klimaschutzaspekte – sozialverträglich – in den Vordergrund gestellt werden. Beim Neubau UND im Bestand. In die richtige Richtung geht es oft mit ganz einfachen Mittel, wie z.B. der baurechtlichen Auflage, eine Begrünung der Häuser durch Mieter★innen zu ermöglichen, in dem Eigentümer★innen und Hausverwaltungen verpflichtet werden, Halterungen für Blumenkästen anzubringen. Auch der Ausbau von Dach- und Gemeinschaftsgärten gehört für uns dazu. Insbesondere in Anbetracht immer häufigerer Starkregenfälle muss die Stadt schnellstmöglich zum Schwamm umgebaut werden, der die Wassermassen aufsaugen kann anstatt Straßen und Häuser zu überfluten. Auch tragen diese Maßnahmen zu einem besseren Mikroklima bei, das nicht zuletzt in Hitzephasen Menschenleben rettet.

Deshalb werden wir uns mit aller Kraft für das Recht auf Wohnen und die Entprivatisierung des Wohnsektors einsetzen. Wir machen uns stark für sozialen und ökologischen Neubau, für Vergesellschaftung, Erhalt und Ausbau alternativer Wohn- und Eigentumsformen sowie für die soziale und ökologisch sinnvolle Umgestaltung unserer Häuser, Dächer und Gärten – egal ob Neu- oder Altbau, egal ob Platte oder Einfamilienhaus.

Keine Profite mit der Miete! Klimaschutz für alle! Gegen die Stadt der Reichen!